Nur der Himmel ist die Grenze für den 78-jährigen Carl Fredricksen, der nach dem Tod seiner Frau Ellie nun auch sein Haus verlieren soll. Aber nicht mit Griesgram-Carl! Der befestigt rund 20.000 mit Helium gefüllte Luftballons an seinem Haus und startet nach Südamerika. Dummerweise hat sich auf der Veranda ein blinder Passagier versteckt: der Pfadfinder Russell, von dem Carl mehr als nur ein bisschen genervt ist. In Südamerika angekommen muss Carl sein Haus Fitzcarraldo-mäßig durch den Dschungel ziehen, einen bildhübschen, aber leider total dämlichen Vogel beschützen, einer Meute von sprechenden Hunden entkommen und einen verschollenen Forscher finden.
Ein schlecht gelaunter Rentner und ein dickliches Kind als Helden in einem Familienfilm, eine Story, die in einer Fantasielandschaft angesiedelt ist und mit Groschenheft-Topoi aus den 30er Jahren spielt - das, so die superschlauen Kino-Analysten, sind doch erhebliche Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg. Wäre es nicht sinnvoller, von den existierenden Pixar-Filmen weitere Teile zu produzieren? Das machen doch Dreamworks und Fox auch so. Doch zumindest in den USA legte "Oben" am ersten Wochenende das drittbeste Einspielergebnis eines Pixar-Films hin. "Up" hob ab und bewies, "die beste Marketingstrategie ist immer noch eine gute Story", so Pixar-Chef John Lasseter triumphierend.
"Oben" war der erste Animationsfilm, der das Festival in Cannes eröffnen durfte. Gerade bei dem Kunst-Kult der Franzosen war das für Pixar der Ritterschlag. Und tatsächlich: Für einige Augenblicke - während die 60 Jahre dauernde Liebesgeschichte von Carl und Ellie erzählt wird, unterlegt mit der fantastischen Musik von Mike Giacchino ("Lost") - ist dieser Film ein perfektes Kunstwerk. Er schwebt förmlich vor den Augen des Zuschauers. Dann schaltet Regisseur Pete Docter wieder auf den Abenteuermodus um und führt die sprechenden Hunde ein. "Oben" beschwört den "Sense of Wonder" des 20. Jahrhunderts, eine zauberhafte Abenteuerwelt, und setzt dies gegen die kalte Effektivität der Gegenwart. Genau das macht diesen Film aus: "Oben" behandelt schwerwiegende Themen wie Alter, Einsamkeit und den Tod mit leichter Hand, er ist traurig und melancholisch, ohne in Düsternis abzukippen, witzig und humorvoll, ohne albern zu werden. Gleichzeitig sind die 3-D-Effekte sparsam eingesetzt und ordnen sich immer der Geschichte unter. Ein Meisterwerk!
Filminfos
| Originaltitel: | Up |
|---|---|
| Land: | USA 2009 |
| Genre: | Trickfilm |
| Regie: | Peter Docter |
| Länge: | 96 Minuten |
| Kinostart: | 17.09.2009 |








