1997 schockierte Waris Dirie mit der Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte die Welt: Das aus der somalischen Wüste geflohene Nomadenmädchen, das die Laufstege der Welt eroberte, um schließlich ihre Berühmtheit zu nutzen und die Öffentlichkeit auf eine nicht nur in ihrer Heimat weit verbreitete unmenschliche Tradition aufmerksam zu machen: das Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung, dem Waris Dirie selbst mit drei Jahren zum Opfer fiel und bei der Frauen wenn nicht mit dem Tode, so doch meist mit lebenslangen Schmerzen gepeinigt werden.
Nun hat Sherry Hormann diesen Bestseller adaptiert. Die Geschichte beginnt in der somalischen Wüste. Waris soll als Kind zwangsverheiratet werden. Sie flieht auf einer lebensgefährlichen Reise durch die Steinwüste zur Großmutter in Mogadischu. Ihre Verwandten schicken sie nach London, wo sie in der somalischen Botschaft, abgeschirmt von der Außenwelt, als Dienstmädchen arbeitet. Jahre später lebt Waris auf den Straßen Londons, bis sie durch Zufall in der flippigen Marilyn eine echte Freundin findet, die ihr zu einem Putzjob und einem Zimmer verhilft. Durch Zufall trifft sie auf den berühmten Modefotografen Terry Donaldson, der Waris' Potenzial erkennt und ihr den Weg in den Jetset-Glamour der Modewelt ebnet. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wird aus Waris ein Topmodel. Und so kann sie endlich die Presse darauf aufmerksam machen, dass ihre Geschichte keineswegs nur das Märchen von dem Model aus der Wüste ist, sondern vor allem die einer Frau, die als Kleinkind unmenschliche Grausamkeit am eigenen Leib kennenlernen musste.
Leider ist es genau das Märchenhafte an Waris Diries Biografie, an das Hormann den Schwerpunkt ihres überaus kurzweiligen und mit seinen verschachtelten Rückblenden souverän inszenierten Films setzt: Zu detailliert werden die anfänglichen Schwierigkeiten des plötzlichen Modeldaseins gezeigt. Die eigentliche Waris Dirie, die von sich selbst sagt, sie habe die Modewelt immer als "plastisches Kunstgebilde" gesehen und ihre Karriere nur für ihre Mission benutzt, nämlich den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung, wird leider nur angedeutet. Die Bilder begeistern, die schauspielerische Leistung von Liya Kebede als Waris und Sally Hawkins als Marilyn reißen mit, und das Werk hat sogar komische Momente. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass der Film nicht die Tiefe erreicht, die Waris Diries' Geschichte gebührt. Geschickt wird hier Unterhaltungskino mit einem humanistischen Ansatz verknüpft.
Filminfos
| Land: | DEU GBR AUT 2009 |
|---|---|
| Genre: | Drama |
| Regie: | Sherry Hormann |
| Darsteller: |
Liya Kebede
, Sally Hawkins
mehr |
| Länge: | 120 Minuten |
| FSK: | ab 12 |
| Kinostart: | 24.09.2009 |








