Eine Perle Ewigkeit

Drama, PER  ESP  2009

Fazit: Besonderes Kino: persönlich, ungefällig, nah an seiner Protagonistin und mutig in der Thematisierung.

Von der Berlinale-Jury mit dem goldenen Bären ausgezeichnet, behandelt der Film das Trauma der jungen Fausta: Sie lebt in ständiger Angst vor einer möglichen Vergewaltigung, vor der sie sich mit einer Kartoffel im Unterleib schützen will.

Claudia Llosa: "Eine Perle Ewigkeit"
Claudia Llosa: "Eine Perle Ewigkeit"
© Neue Visionen Filmverleih

Wie so oft ist der deutsche Titel des Berlinale-Gewinners vom Original und vom Kern der Geschichte meilenweit entfernt: "La teta asustada" (wörtlich "die furchtsame Brust") nennt man es in Peru, wenn sich Ängste und Verletzungen, die die Mutter während der Schwangerschaft erlebt, auf das Kind übertragen. Der internationale Verleihtitel "Milk of Sorrow" kommt der Sache näher: Faustas Mutter ist vergewaltigt worden, als sie schwanger war. Die Tochter ist mit diesem Trauma aufgewachsen - und mit der Angst, dass es wieder passieren könnte. Die erwachsene Fausta (Magaly Solier) lebt in einer hermetischen Welt, innerlich in sich zusammengekrümmt vor lauter Abwehr gegen Männer und die Außenwelt - und sie trägt eine Kartoffel in der Vagina als Schutz. Als ihre Mutter stirbt, braucht sie Geld für die Beerdigung. Sie findet Arbeit im Haushalt einer Komponistin in der Hauptstadt Lima.

Regisseurin Claudia Llosa verbildlicht Faustas Perspektive, aus der die Welt wie ein fremder, gefährlicher Ort aussieht, und begleitet sie liebevoll auf ihrem schwierigen Weg bis zu den schlimmsten Momenten von Schmerz und Scham, dem Abschneiden der frischen Kartoffeltriebe. Die Schritte in die Welt werden für Fausta zum Beginn einer Traumabewältigung, langsam beginnt sie sich zu öffnen. Llosa erzählt dezent und enthält sich so konsequent jeglicher Effekte, dass man den Eindruck bekommen kann, es passiere überhaupt nichts - bis man in Magaly Soliers Gesicht sieht, wie stark es in Fausta arbeitet. Schön, dass Llosa und Solier ihrer Heldin auch etwas eigene Lebenskraft und Kreativität geben - Fausta singt gegen die Angst an, Umdichtungen von symbolstarken Indioliedern sind lange ihre einzige persönliche Äußerung.

Die Kluft zwischen den Indiofamilien und der weißen Oberschicht zeigt gestörte Verbindungen und voneinander abgespaltene Teile auf einer anderen Ebene als in Faustas Seele. Dass die unter anderem aus Tilda Swinton, Isabel Coixet, Christof Schlingensief und Henning Mankell bestehende Berlinale-Jury zu Llosas Film ein intensives Verhältnis entwickelte und ihn mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet hat, verwundert nicht - thematische Verbindungen gibt es zur Arbeit aller dieser Künstler. Der Preis dürfte auch Anerkennung für eine bestimmte Art Kino sein.

© ZITTY BERLIN - Das Hauptstadtmagazin / Susanne Stern

Filminfos

Originaltitel: La teta asustada
Land: PER  ESP  2009
Genre: Drama
Regie: Claudia Llosa
Darsteller: Magaly Solier , Susi Sánchez
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Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12
Kinostart: 05.11.2009
 
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